LA ORANA
Französisch
Polynesien, oder auch: Das Paradies
Tahiti, Bora, Huahine, Moorea, etc. stand ursprünglich nicht
auf meiner Weltreiseliste. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht einmal deren
exakte geografische Lage. Doch meine beste Freundin tritt am 12. Oktober
endlich in den Club der jungen Erwachsenen ein und das muss gebührend gefeiert
werden. Also fügte ich einen kleinen Spiegelstrich „-Bora (für Olli)“ zu meiner
Liste hinzu. Ein kleiner Streit zwischen uns beiden, aufgrund Misskommunikation
via WhatsApp, brachte mich schlussendlich dazu mehr von Französisch Polynesien
zu sehen, als geplant. Als kleine Trotzreaktion schrieb ich Franck an, einen Kanadier,
der seit Jahren im Paradies segelt und Menschen wie mich auf sein Boot einlädt
um ihn zu begleiten.
1 Tag später kam die Zusage und ich machte mich auf den Weg
nach Papeete, Tahitis Hauptstadt.
Ihr könnt mich jetzt fast einen Reiseprofi nennen, denn ich
hatte mir im Voraus eine Unterkunft in Papeete rausgesucht...Naja also ich
wusste einen Namen, keine Telefonnummer oder Adresse. Deshalb auch nur „fast“,
aber ich hab noch Hoffnung auf Besserung. Naja am Flughafen angekommen rief ich
mir erstmal ein Taxi. Die Fahrerin erklärte mir dann auf französisch mit
tahitianischem Akzent, dass die Fahrt 2000 CFP kosten würde und ich hatte
keinerlei Ahnung von der Währung. Also bin ich erstmal zum Geldautomaten
gelaufen und hab mir ein bisschen Bargeld geholt. Mittlerweile zieh ich einfach
von dem Preis 2 Nullen ab und noch ein paar Euro (-> 2000CFP = ca. 16 EU).
Das Taxi hält also nach 10min vor einem kleinen Hostel (Mahana
Lodge: 25,-/Nacht) direkt am Hafen von Papeete und sie hatten noch Betten frei.
Ich ließ meine Sachen in der Lobby und ging auf eine kleine Exkursion, zum
Markt, zu diversen Kirchen und bis zum Ortsrand und zurück, bis mir
schlussendlich die Augen zugefallen sind. Also bin ich zurück zum Hostel und
gegen 15.00Uhr ins Bett und hab bis zum Morgen durchgeschlafen. Am nächsten
Morgen ging es für mich zur Fähre nach Moorea. Eine relativ kleine aber
wunderschöne Insel. Auch dort hatte ich mich um ein Hostel (MotuIti:
12,-/Nacht) gekümmert mit dem ich in regem Emailkontakt stand (wodurch ich
einen Nachlass auf das Fährenticket bekam).
In Moorea angekommen stieg ich in einen Bus, der im 3
Stunden Takt, einmal um die Insel fährt (es gibt nur eine Straße) und überall
für dich anhält. Am Hostel angekommen wurde ich sehr unfreundlich begrüßt (mir
wurde ein Zettel mit dem Wifi-Passwort in die Hand gedrückt und der Weg zum
Schlafsaal gezeigt) und das war alles was ich von der Rezeption zu sehen bekam.
Im Internet stand, dass man von den Besitzern höchstpersönlich in Empfang
genommen wird usw. Den ersten Schock überstanden, betrat ich das Zimmer. Man
kann nicht wirklich von „betreten“ sprechen, denn es gab keine Tür. Ich stand
also im Saal (12 Betten), 3 Betten belegt und auf einem lag ein Kissen und ein
Leinentuch, ich glaube das war meins...aber ich bin mir bis heute nicht 100%
sicher.
Auf dem Bett in der Ecke lag ein eher ungepflegt aussehender
und riechender Mann und sein ganzes Zuhause um ihn herum, war wohl eher ein
Langzeit-Gast. Nachdem ich mich häuslich eingerichtet hatte, was darin bestand
meinen Rucksack abzustellen, verließ ich den miefenden Saal und ging an den
Strand. Kaum zu glauben, aber das Hostel war direkt am Wasser...nicht das
sauberste und auch nicht die superschöne, blaue Lagune auf den Fotos, aber am
Wasser. Dort traf ich auf 3 Mädels (*Frauen: 40 auf Hochzeitsreise, 28 & 23
Freundinnen im Urlaub) mit denen ich mich auf Anhieb verstand. Witz. Die
Älteste kam aus Brasilien und sprach neben Portugiesisch gebrochenes Spanisch.
Die anderen Beiden leben auf den Osterinseln und Spanisch war wirklich ihre
einzige Sprache. Darauf hat mich das Dante-Gymnasium jetzt nicht direkt
vorbereitet. Aber auf irgendeine Art und Weise haben wir uns verstanden. Gesten,
Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Bilder und Google Translate machten es
möglich. Die Bekanntschaft machten das Hostelleben um einiges besser. Wir
verbrachten meine 2 Tage dort zusammen und ich konnte den stinkigen Typen und
Türmangel fast vergessen.
An meinem dritten Tag in Moorea buchte ich mir eine
Touri-Tour (Ja schrecklich ich weiß und so überhaupt nicht mein Stil), aber mei
ein bisschen was muss ich mir eben ansehen und ohne Auto bräuchte ich Jahre. Die
Tour (Ananas Farm, Belvedere, Likörverkostung, Aussichtspunkt, Strand) war im
Endeffekt rausgeschmissenes Geld, das würde sich aber erst viel später
herausstellen. Aber wenigstens konnte ich behaupten den Großteil der Insel
gesehen zu haben. Nach meinen 3 Tagen sollte es anschließend auf das Segelboot
zu Franck gehen und ich bekam Muffensausen. Also so richtig...mit Heulen und
stundenlangen Telefonaten mit Olivia und Louisa, bis ich mich wieder einkriegte
und mich zu einem ersten Treffen aufraffen konnte. Ich war kurz davor den Trip
sofort abzusagen, zum Glück konnte ich meine Angst überwinden.
Am 26.09 begann mein Leben auf dem Segelboot Nanami in der
Marina. Geplant war es das Boot bis Anfang Oktober auf Vordermann zu bringen,
um dann einen Trip nach Rangiroa zu starten. Das bedeutete konkret Folgendes:
-6Uhr: Aufstehen und
zum Supermarkt laufen
-6.30-7Uhr: Frühstück
(jeden Tag das selbe)
-7-12.30Uhr: Arbeiten
(Tank auffüllen, Putzen, Knoten lernen, usw.)
-12.30-13Uhr:
Mittagessen (jeden Tag das selbe)
-13Uhr-15Uhr: Siesta
-15-17Uhr: Arbeiten
-17Uhr-19Uhr:
Chillen, Duschen, etc.
-19Uhr-20Uhr: Aperitif,
Essen (Dosenfutter)
-Ab 20Uhr: Schlafen
(in dem kleinsten „Bett“ auf Erden)
Eigentlich echt nicht so spannend und ich hatte im Hafen
echt eine coole Zeit. Franck ist echt ein cooler Typ, total nett und aufmerksam
mit nur ein paar kleinen Macken. Wir haben den Aperitif oft auf dem Luxusboot
von einem Freund (Franky-Frank) verbracht, der mega cool drauf und außerdem ein Tourguide war.
Na aufgepasst? Ich hab’ nochmal eine Tour gemacht, diesmal echt interessant und
dazu umsonst!
Nachdem das Boot bereit war ging es in die Lagune, also
immer noch nicht richtig aufs offene Meer. Dort hab’ ich meine Segelkenntnisse
aufgefrischt und 2 Tage im hellblauen Wasser verbracht. Swimmingpool Feeling,
komplett klare Sicht, aber dazu noch Rochen und Korallen und keine planschenden
Kinder! Das einzige womit ich mich abfinden musste, war ein nackter
Kapitän...Jupp Franck ist Nudist. Und er war 24/7 nackt. Ja auch beim Essen und
Kochen und Arbeiten. Aber es war ok. Ich fands nicht komisch, sondern ungewohnt.
Die 2 Tage vergingen und der Wind auf den wir gewartet hatten war endlich dar.
Und es ging los.
Meine Vorfreude auf unser Segelabenteuer legte sich
schlagartig, nachdem ein Sturm aufzog. Wir waren gerade 2 Stunden unterwegs und
meine Seekrankheit begann langsam aber sicher. Zur selben Zeit verdoppelte sich
die anfängliche Windgeschwindigkeit und das Segel musste verkleinert werden.
Das war mein Job: zum Mast laufen, Segel verkleinern, Knoten machen und
versuchen nicht vom Boot zu fallen, während der Mast fast waagerecht lag und
die Wellen über das Segelboot schwappten. Hört sich an wie im Film? Fühlte sich
auch genauso an. Als das geschafft war, machte ich mich zurück zum Steuer und
setzte mich in die Ecke und versuchte vergeblich meinen Mageninhalt zu
behalten. Betonung auf vergeblich, denn die nächsten 4 Stunden verbrachte ich
mit Kotzen. Aber es gab Hoffnung auf eine baldige Genesung, denn wir drehten um
und segelten zurück nach Moorea um dem Sturm zu entfliehen.
Nach einer Stunde in der Lagune ging es mir langsam wieder
besser und ich konnte wieder etwas Nahrung zu mir nehmen. Und dann ging das
Nachdenken los. Soll ichs morgen nochmal versuchen? Kann ich wirklich aufgeben?
Werde ich mir selbst vergeben können, dass ich das hier nicht durchziehe? Ich
kam zu dem Entschluss es nochmal zu versuchen, aber ich war nicht 100%
glücklich mit der Entscheidung, aber ich hatte sie getroffen und jetzt gab es
kein Weg zurück mehr, oder? Mit diesem Gedanken ging ich schlafen und wachte
auch wieder mit ihm auf. Am Morgen aber noch unglücklicher mit der Entscheidung
und Angst vor dem Verlauf des Tages. Ich hatte ein bisschen Zeit alleine auf
dem Boot und telefonierte mit Louisa, die mir klarmachte, dass ich nicht
schwach sei, wenn ich mir das Ganze nicht nochmal antun würde und dass es ok
ist aufzugeben in solchen Situationen. Aber eigentlich waren wir uns beide
relativ sicher, dass ich trotzdem auf dem Boot bleibe
(#NeinSagenIstNichtMeineStärke #NichtEntscheidungsfreudig). Aber ganz entgegen
der Erwartungen konfrontierte ich Franck sofort damit und machte ihm klar, dass
ich es nicht schaffe meinen Teil des Arbeitsverhältnisses zu erfüllen, während
ich Seekrank in der Ecke liege, und ich das weder ihm noch mir antun möchte.
Natürlich war ich nicht ganz so direkt und cool...ich hab rumgedruckst und
gezittert und hab am Ende nochmal gefragt, ob das wirklich ok für ihn sei. Aber
ich habe geschafft das erste Mal in meinem Leben eine wichtige Entscheidung zu
treffen, meine Meinung zu sagen und laut auszusprechen, was ich wirklich
möchte. Und ich bin stolz auf mich. Und das zählt.
Nanami |
Ich bin also am selben Tag noch von Board gegangen und
zurück nach Papeete für eine Nacht. Um dann am nächsten Morgen nach Bora zu
fliegen.
Als ich nach 3 Flügen (Papeete-Moorea, Moorea-Huahine,
Huahine-Bora) endlich (jeweils 15min Flugzeit) am Flughafen ankam, stand meine
beste Freundin vor mir und ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich war 3 Monate
weg von zu Hause und plötzlich steht sie vor mir! Leider war das Wiedersehen
sehr kurz, da sie arbeiten und ich zu meinem Zuhause für die nächsten 3 Nächte
musste (Couchsurfing).
Ich hatte die beste Couchsurfing Erfahrung: Florence und
Amaury ein richtiges Traumpärchen und Couchsurfing-Host seit Jahren mit einem
riesigen Haus nahe an Matira. Gemeinsamer Pizza-Abend, Lagunentour: Schwimmen
mit Haien und Manta rochen, ein Dach überm Kopf, angenehme Gesellschaft und
alles UMSONST. So kann es eben auch gehen.
Haifischfütterung |
Mittlerweile bin ich bei der Olli im Pearl Beach angekommen. Ich hab es
endlich zu ihr geschafft und wohne jetzt für 4 Tage mit ihr. Und alles hier
fühlt sich so Luxuriös an. Luxus: Ein großes Bett, kostenlose Waschmaschine,
eine Dusche und meine beste Freundin.
Das war es mit meinem Abenteuer in französisch Polynesien.
Maururu, Nana!
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